Konstrukteure als Fahrer – Die großen Fahrten des Jahres 1909

von Matthias Lorbach, Markranstädt und Werner Lorbach, Leipzig

Prinz Heinrich-Fahrt

In den Anfangsjahren des Automobilbaus war es üblich, dass die Konstrukteure oder Hersteller bei Veranstaltungen selbst ihre Fahrzeuge steuerten. So sind in einem Buch von der zweiten Prinz Heinrich-Fahrt 1909, herausgegeben von der Continental-Gutta-Percha-Compagnie Hannover, einige bekannte Konstrukteure und Fabrikbesitzer zu sehen.

Die Fahrt fand vom 9. bis 18. Juni statt und war als Etappenfahrt organisiert. Nach der Abnahme der Wagen am 9. Juni führte die erste Etappe über 349 km von Berlin nach Breslau, inklusive eines Flachrennens in Guben.

Am 11. Juni ging es weiter, 409 km von Breslau nach Tatra‑Lomnicz. Am 12. Juni folgte die nächste Strecke  von Tatra‑Lomnicz nach Budapest über 312 km. Nach dem Ruhetag am 13. Juni führte die nächste Etappe am folgenden Tag über 263 km weiter nach Wien. Dort gab es einen weiteren Ruhetag. Danach führte die Strecke über 304 km weiter nach Salzburg. Von dort ging es auf der letzten Etappe über 202 km zum Ziel nach München. Vorher musste aber noch einmal die Schnelligkeit der Wagen bei einem Flachrennen bei Forstenried unter Beweis gestellt werden. Am 18. Juni fand die Siegerehrung statt. Sieger der Fahrt wurde Kommerzienrat Wilhelm Opel auf Opel.               

Herr Kommerzienrat Wilhelm Opel auf Opel

Weitere Teilnehmer der Prinz Heinrich Fahrt 1909 waren Ettore Bugatti auf Deutz, Ferdinand Porsche auf österreichischem Daimler, August Horch auf Horch, Carl Reichstein jr. auf Brennabor und Emile Nacke (Fahrer Herr Graumüller) auf  Nacke.

Ernst Emil Nacke (1843 bis 1933) war Besitzer einer gut gehenden Maschinenfabrik in Coswig bei Dresden. Er war beeindruckt von der neuen Technik des Automobilbaus und wollte dazu auch seinen Beitrag leisten. So stellte er in seiner Fabrik nach französischem Vorbild das erste Auto in Sachsen her. Bald folgten aber eigene Konstruktionen. Bereits 1904 startete die Herstellung von Lastkraftwagen und Bussen. Dies führte dazu, dass im Jahr 1914 die PKW Produktion  eingestellt  wurde.  Bis  1933 wurden dann Lastkraftwagen, Omnibusse und Spezialfahrzeuge produziert.

Herr E. Nacke und Fahrer Herr Graumüll auf Nacke

Zur    Prinz    Heinrichfahrt   1909    noch Konstrukteur  bei  Puch  in  Österreich, trat Karl Slevogt (1876 bis 1951) im April 1910 die  Stelle  als  technischer  Direktor bei der Firma Ruppe und Sohn in Apolda an. Seine neuen  Konstruktionen  hatten  Motoren mit Wasserkühlung.  Die Wagen  wurden  unter dem  Namen  Apollo  vertrieben. Im   Jahre 1912  wurde  die  Firma  in  Apollo  Werke A.G. umbenannt.  Karl  Slevogt  nahm  mit den von ihm konstruierten Wagen an vielen Rennen  teil.  Bei der  Übernahme der MAF im Jahr 1922 durch die Apollo Werke, war Karl Slevogt für die Umstellung der  Produktion auf den kleinen Apollo 4/14 in Markranstädt mit verantwortlich. Trotz der vielen sportlichen Erfolge, die er mit den Apollo Wagen erreicht hat, verließ Slevogt die Firma nach 14 Jahren im Jahr 1924.

Herr Slevoigt auf Puch

Internationale Sternfahrt

Ebenfalls 1909 fand vom 12. bis 14. August die Internationale Sternfahrt nach Eisenach statt. Daran nahmen auch drei Wagen der MAF teil. Ein MAF Wagen belegte in seiner Klasse den ersten  Platz  mit  einer Fahrstrecke von 1861 km.  Die  zwei  anderen  Wagen  fuhren  jeweils 1680 km und 1565 km. Leider sind von diesen Wagen keine Bilder vorhanden. Aber es gibt ein Foto von Herrn Schürmann, der auf seinem DUX der Polyphon‑Musikwerke aus Waren bei Leipzig 1645,8 km zurücklegte und damit den dritten Platz in der Klasse 1 erreichte.

Der seit 1904 in der Automobilabteilung des Werkes hergestellte Gazelle-Motorwagen musste durch ein neues Modell ersetzt werden. So stellte man 1908 den Konstrukteur Gustav Schürmann (1872 bis 1962) ein. Dieser entwickelte in kurzer Zeit einen Wagen mit dem er auch erfolgreich an Wettbewerben teilnahm. Unter der Leitung von Gustav Schürmann entstanden in den folgenden Jahren sämtliche Fahrzeuge des Werkes, darunter auch Lastkraftwagen und Omnibusse.

Herr Schürmann auf Dux

Im Jahr 1916 wurde die Automobilabteilung zu einem eigenständigen Unternehmen: der DUX Automobil AG, später bekannt als Büssing NAG. Gustav Schürmann wurde zum Direktor berufen. Im Jahr 1943 trat er in den wohlverdienten Ruhestand ein. Er verstarb 1962 im Alter von 90 Jahren in Leipzig.

Quellen: 1. Prinz Heinrich – Fahrt 1909 / 2. E.H. Nacke Sachsens erster Automobilbauer Schriftenreihe des Verkehrsmuseum Dresden Band 7 / 3. Karl Slevogt Leben und Werk  W.Spitzbarth/ Beitrag über Gustav Schürmann im Lokalanzeiger „Der  Isselhorster“ Ausgabe 31 Juli 1998